Der Bundesparteitag in Karlsruhe war von positiver Stimmung geprägt,
befürchtete Störungen und Spannungen in Fraktion und Bundespartei sind
ausgeblieben. Stattdessen haben wir ein Grundsatzprogramm mit liberalen
Freiheitsthesen beschlossen, dessen Bedeutung über die laufende
Legislaturperiode weit hinausreicht.
Die Beiträge des Bundesvorsitzenden Philipp Rösler, des Spitzenkandidaten für
die Landtagswahl in NRW Christian Lindner und zum Schluss die Rede unseres
Fraktionsvorsitzenden Rainer Brüderle haben den Liberalen Schwung gegeben. Jede
Rede war auf ihre Weise geeignet, Zusammenhalt, Solidarität und Optimismus für
die bevorstehende Zeit zu vermitteln.
Bei der anschließenden Frühjahrsklausur der Bundestagsfraktion wurden aber
bereits wieder Differenzen innerhalb der Fraktion und zwischen den
Koalitionspartnern deutlich. Die Stichworte Pendlerpauschale, Mindestlohn,
Betreuungsgeld und Praxisgebühr stehen für Themen, die innenpolitisch
eigentlich lösbar sein müssten, die aber in Politik und Medien ausgesprochen
kontrovers diskutiert werden. Dafür habe ich Verständnis, ich verknüpfe diese
Themen aber nicht schon wieder mit Szenarien über das Auseinanderfallen der
Koalition.
Ich bin fest davon überzeugt, dass wir angesichts gravierender außenpolitischer
Probleme eigentlich andere Prioritäten setzen müssen. Die akuten Spannungen im
Nahen Osten, z.B. zwischen Iran und Israel oder zwischen Syrien und seinen
Nachbarstaaten, sind sehr gefährlich. Die Finanzkrise und die Notwendigkeit von
Sparanstrengungen in Deutschland und Europa sind weiterhin akut. Die möglichen
bevorstehenden Regierungswechsel in Frankreich, in den Niederlanden und in den
USA haben auch Auswirkungen auf unser Land. Hier liegen gewaltige Aufgaben, an
deren Lösung gemeinsam gearbeitet werden muss.
Im Nachgang zu meiner Reise nach Armenien und Georgien freue ich mich über die
Pläne der Friedrich-Naumann-Stiftung für ein neues "Format". Es werden
Vortragsveranstaltungen in diesen Ländern vorbereitet.
Friedrich-Naumann-Stiftung, Goethe-Institute und regionale Netzwerke werden
sich gemeinsam in der dortigen Erwachsenenbildung engagieren. Daraus kann eine
interessante neue Aufgabe erwachsen, neue Kontakte können entstehen und
Verbindungen geknüpft werden. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung.
Abschließend möchte ich noch einige Gedanken zu den Oberbürgermeister- und
Landratswahlen in meinem Wahlkreis äußern. In Jena haben viele Liberale
strategisch den CDU-Kandidaten Prof. Schuchardt (17,9 Prozent der Stimmen)
unterstützt. So ist es gelungen, eine Stichwahl zu erzwingen. Das ging
natürlich leider auch zu Lasten unseres eigenen Kandidaten Dr. Thomas Nitzsche
(2,4 Prozent). Im Saale-Holzland-Kreis hat die FDP den amtierenden Landrat
Andreas Heller (56,3 Prozent) unterstützt, der jetzt ohne Stichwahl seine
Arbeit fortsetzen kann. Über das Wahlergebnis in Gera haben wir uns ganz
besonders gefreut. Die FDP hat in Gera die parteilose Kandidatin Dr. Viola Hahn
unterstützt. Sie hat überraschend mit 47,6 Prozent der Stimmen den amtierenden
Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm - von den Linken unterstützter
Sozialdemokrat - überflügelt; der Amtsinhaber kam nur auf 29,7 Prozent. In
meinem Wahlkreis war nur in Gera eine Wechselstimmung spürbar. Ich bin
überrascht und erfreut, dass sich das im Wahlergebnis so deutlich
niedergeschlagen hat. Nun gilt es sicherzustellen, dass Frau Dr. Hahn auch in
der Stichwahl erfolgreich sein wird.
Eine neue Stipendienkultur ist das Ziel des Deutschlandstipendiums.
Die liberale Bundestagsfraktion hat auf dem FDP-Parteitag in Frankfurt
am Main (12.11.2011) dazu eine Kampagne
gestartet. Weitere Infos finden Sie hier.