Wahlsonntag, 27. September
Sonntag, 27. September
Wahlparty 18.15 Uhr im „Schnitzelheinz“ Erfurt. Euphorische Stimmung bei den ersten Hochrechnungen, weil sich die Zahlen jenseits von 9,5% bewegten und ich davon ausgegangen war bei 8,5 das zweite FDP Mandat für Thüringen errungen zu haben. Die Stimmung hat sich gehalten und ich habe bereits in Interviews meiner Freude über das gewonnene Mandat Ausdruck gegeben. Gegen 22 Uhr sind wir dann vorsichtiger geworden, weil die Wahlbeteilung in Thüringen unter dem Bundesdurchschnitt lag und der Zugewinn der FDP in Thüringen von rund 2 % im Verhältnis zu anderen Bundesländern ebenfalls niedriger ausgefallen ist. Mit dieser Ungewissheit bin ich gegen 24 Uhr nach Hause gefahren. Unser Landesvorsitzender Uwe Barth hat zu Hause die Nacht zwischen Faxgerät und Internet verbracht um Klarheit zu bekommen. Durch Kontakt mit dem Wahlleiter bekam er gegen 4 Uhr die Mitteilung, dass auch ich in den Deutschen Bundestag gewählt worden bin: „Peter, du bist drin“, teilte er mir in den Morgenstunden des Montag mit.
Unter dem freudigen Eindruck dieses Ergebnisses, haben wir uns für eine gemeinsame Fahrt nach Berlin verabredet. Uwe hatte noch einiges aus seinem Büro auszuräumen und ich habe bereits an der Fraktionssitzung der wieder- und neu gewählten Fraktionsmitglieder teilgenommen. Die Stimmung war sehr gut und für mich war es eine deckwürdige Situation. Ich habe Mitstreiter aus der Wendezeit wieder getroffen und freue mich nun auf die gemeinsame Zusammenarbeit als MdB in Berlin. Etwas Ernüchterung trat ein, weil viele organisatorische Fragen - Fortsetzung der Mietverträge, Personalfragen, Arbeitsräume – zu lösen waren. Wir haben Arbeitsfähigkeit hergestellt. Die Sachsen haben Patenschaften für uns übernommen.
Am Abend in Jena angekommen haben wurden wir von Vorstand und Fraktion mit großer Freude begrüßt und ich konnte zahlreiche Glückwünsche entgegennehmen.
Der gestrige Tag begann mit einem sehr schönen persönlichen Erlebnis: Das Bild „Der Sohn“ habe ich von Inge Rössler, einer Schulfreundin, im Jahr 1996 erworben und übergebe es als Dauerleihgabe unserer katholischen Kirchegemeinde St. Johannes Batist. Es verbirgt sich dahinter auch eine kleine Deutsch-Deutsche Geschichte: Inge verlies Jena 1956 mit ihren Eltern. In ihren Briefe vor der Wiedervereinigung lagen persönliche Zeichnungen und Skizzen bei. Sie waren mir eine echte Bereicherungen in dieser wichtigen Zeit. 1996 fand eine Ausstellung von - nun Inge Kaufmann - im Jenaer Stadtmuseum „Göhre“ statt. Für uns beide war das die Erfüllung eines nicht geäußerten Wunsches über Jahrzehnte hinweg.
