Archiv: August 2009

18. August Podiumsgespräch

Eine Veranstaltung von Ver.di in Erfurt als Podiumsgespräch zu Fragen der Rentenanpassung. Diesbezüglich waren sich die Parteien (CDU fehlte entschuldigt) über deren Notwendigkeit einig und für die Umsetzung habe ich mich bereit erklärt, als Vertreter der Abgeordneten aus den neuen Bundesländern fraktionsübergreifend tätig zu werden, wenn ich dazu die Gelegenheit bekomme.
Am Abend hatte der Kreisverband Erfurt zum Sommerfest eingeladen, hier waren natürlich die Gespräche am Rande besonders wichtig.

17. August Aktion Stolptersteine

Ich habe an der Aktion „Stolpersteine“ des Arbeitskreises Judentum in Jena sehr gern und mit emotionaler Rührung teilgenommen:
Wir standen u.a. vor dem Haus von Dr. Griefahn, dessen Frau sich wegen der persönlichen Schikanierung der Nazis durch den Freitod dem Zugriff durch das Regime entzog. Unser Vater war nach dem Krieg mit Dr. Griefahn befreundet und mich verbindet eine enge Freundschaft mit Sigurt und Inge Griefahn, die in Bayern ihren Lebensabend verbringen.

15. August Sommerfest in Rudolstadt

Zum Sommerfest der FDP in Rudolstadt am 15. August habe ich erfreulich viele Bekannte aus vergangenen Jahren getroffen: Mitstreiter der FDP Arbeitskollegen. Eine der ältesten FDP-Mitglieder, eingetreten 1945 stand für Gespräche mit Conny Pieper und Uwe Barth im Mittelpunkt, wohltuend sein Optimismus für die bevorstehenden Wahlen.

Gespräch über den 13. August 1961

Herr Röhlinger, in diesem Jahr jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 20. Mal. Was empfinden Sie, wenn Sie die Sommer- und Herbstwochen ‘89 Revue passieren lassen? 
 

Peter Röhlinger: Vor allem Dankbarkeit. Die wenigsten von uns hätten es für möglich gehalten, dass Mauer und Eiserner Vorhang so schnell verschwinden, wie es das Jahr 1989 gezeigt hat.
 
 

Vielleicht zunächst ein Blick zurück: Wie haben Sie vom Mauerbau erfahren, damals, 1961?
 

Peter Röhlinger: Ich studierte seinerzeit schon in Leipzig, war aber an jenem 13. August zuhause in Jena bei meiner Familie. Natürlich waren wir geschockt, uns war klar: Jetzt sind wir eingesperrt. Wir haben in den Jahren zuvor immer wieder die Möglichkeit eines Weggangs in den Westen erörtert. Es gab diesbezüglich aber eine klare Absprache: Entweder die Familie geht geschlossen - oder sie bleibt geschlossen in der DDR. Mit dem Bau der Mauer waren solche Diskussionen natürlich hinfällig.
 
 

Welche Konsequenzen hatte der Bau der Mauer für Ihren persönlichen Werdegang?
 

Peter Röhlinger: Den vorübergehenden Rauswurf aus der Universität. Der hatte folgende Vorgeschichte: Ich habe versucht, eine Reservistenübung der NVA zu umgehen, aus gesundheitlichen Gründen. 1959, zwei Jahre vor dem Mauerbau, hatte ich einen ersten Lehrgang absolviert. Zum zweiten 1961 bin ich nicht erschienen. Jetzt, wo die Grenzen dicht waren, konnte die Partei kurzen Prozess machen mit missliebigen Personen, bei mir in der Veterinärmedizin immerhin 10 Prozent der Studenten…
 
 

…und Sie wurden exmatrikuliert.
 

Peter Röhlinger: Genau. Mir wurde unterstellt, ich hätte versucht, die Schlagkraft des Warschauer Pakts zu untergraben. Außerdem beschuldigte man mich, der Kopf einer konspirativen Gruppe aus Jena zu sein. Tatsache war: Wir haben zum Beispiel Westsender gehört, ein paar Freunde und ich - schon das galt damals ja als ein ideologische Vergehen. Konstruiert hingegen war der Vorwurf, ich hätte den Parteiausweis eines Bekannten geklaut. Mit dem Mauerbau war die Falle schließlich zu. Einfach zum Beispiel nach Hannover zu gehen und da weiterzustudieren, das ging jetzt nicht mehr.
 
 

Sie haben Ihr Studium in Leipzig dann aber doch wiederaufnehmen können.
 

Peter Röhlinger: Ja, ich hatte Glück. 1962, nach einem Jahr “Bewährung in der Produktion”, habe ich mich an der Leipziger Uni erneut beworben und konnte in den Hörsaal zurück. Danach hat man mich mit Vorwürfen wie den angesprochenen verschont. Ich habe meinen Abschluss als Fachtierarzt gemacht und danach noch Hochschulpädagogik studiert. Man hat mich in Ruhe gelassen.
 
 

Sie sind schon zu DDR-Zeiten Mitglied einer Blockpartei geworden. Wie kam es dazu?
 

Peter Röhlinger: 1967, nach dem Studium, bin ich in die LDPD eingetreten. Kontakte zu liberalen Gruppen hatte ich freilich schon zu Uni-Zeiten. Ich gebe zu, dass bei meinem Eintritt neben der politischen Grundhaltung auch eine eher profane Überlegung eine Rolle gespielt hat: die Abschottung der SED gegenüber. Wer Mitglied in einer Blockpartei war, wurde von der SED nämlich nicht mehr umworben.
 
 

Sie sind Christ. Warum haben Sie sich damals nicht der Ost-CDU angeschlossen?
 

Peter Röhlinger: Ich bin katholisch, das ist richtig. Ich wollte mit meinem Glauben aber keine Politik machen. Das wollte ich auch damals schon voneinander trennen.
 
 

Am 13. August lädt die Stiftung nach Leipzig ein, ins Gewandhaus, zu einer Veranstaltung mit Hans-Dietrich Genscher. Leipzig zehrt nach wir vor von seinem Ruf als Heldenstadt?
 

Peter Röhlinger: Auf jeden Fall, die historische Bedeutung der Montagsdemonstrationen ist bei den Menschen hier nach wie vor in lebendiger Erinnerung. Ort, Datum und der “Stargast” der Veranstaltung sind sehr klug gewählt. Es freut mich, dass in Leipzig am 13. August gleich mehrere Fäden zusammenlaufen: der Gedenktag des Mauerbaus 20 Jahre nach ihrem Fall - und 600 Jahre nach der Gründung meiner Universität.
 
 

Der Termin also ist im Kalender dick markiert?
 

Peter Röhlinger: Natürlich, ganz dick - ein Gedenktag mit Zuversicht!